Das Theater - die Geschichte

EINE STADT UND IHR THEATER
 
Die ersten professionellen Theateraufführungen in Bremerhaven wurden um 1837 durch sogenannte reisende Schauspielergesellschaften dargeboten. Vor 160 Jahren entstand dann in einem ehemaligen Lagerhaus in der Fährstraße ein Schauspielhaus mit rund 200 Plätzen. Einige Jahre später zogen die Theaterleute in ein neues, um 100 Sitzplätze erweitertes Haus an der Ecke Mittel- und Leher Straße, dem heutigen Sitz der Städtischen Sparkasse Bremerhaven. Auf dem Spielplan standen Lust- und Trauerspiele, Possen und Ballettaufführungen - in der Regel einaktige Werke. Das erste Stadttheater, das "Theater im Volksgarten", erlebte seine erste Opernaufführung am 3. Oktober 1849 mit "Die weiße Dame" von François Adrien Boieldieu.
Um 1854 gründeten sich die "Vereinigten Theater", die unter anderem im "Tivoli" in der Grazer Straße spielten. Im Programm: Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" und "Die Zauberflöte" sowie "Martha" von Friedrich von Flotow. Eine stetige Entwicklung zum Abonnementtheater zeichnete sich seit 1855 ab. Im Volksgarten, dem damaligen, überwiegend privat betriebenen Stadttheater Bremerhaven, wurden Werke der literarischen und musikalischen Weltliteratur, darunter die Opern "Tannhäuser" und "Lohengrin" von Richard Wagner präsentiert.
 
Im Jahre 1903 musste das Theater wegen Brandschutzmängel geschlossen werden, und so kamen die Theatermacher auf die Idee, "Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach auf einer Seebühne im Volksgarten aufzuführen. In dieser Zeit verstärkten sich die Initiativen aus der Bevölkerung und der Stadtregierung mit dem Ziel, ein festes Haus für ein Drei-Sparten-Theater zu gründen. So wurde der Theaterbau am heutigen Theodor-Heuss-Platz, finanziell unterstützt durch die Stadt und deren Bürger, im Oktober 1911 mit Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" feierlich eröffnet. Trotz der Weltwirtschaftskrise überlebte das inzwischen städtisch-subventionierte Ensembletheater.
 
 

Bis auf die Grundmauern zerstört wurde das Stadttheater Bremerhaven im 2. Weltkrieg am 18. September 1944. Erhalten blieb lediglich die Jugendstilfassade des Architekten Oscar Kaufmann aus dem Jahre 1911.
Gleich nach Kriegsende begann der Spielbetrieb im Bürgerhaus Lehe, und 1950 wurde beschlossen, das Stadttheater Bremerhaven am Theodor-Heuss-Platz wieder aufzubauen. Eine Theaterlotterie, an der sich Vereine, Firmen und die Bürger Bremerhavens beteiligten, sicherte zusammen mit städtischen Geldern die Finanzierung des Neubaus, der Ostern 1952 mit der Oper "Don Giovanni" von Wolfgang Amadeus Mozart eingeweiht wurde.

Ein besonderes Highlight der 60er Jahre war zweifellos die deutsche Erstaufführung der Oper "Attila" von Giuseppe Verdi unter der musikalischen Leitung des damaligen GMD Hans Kindler. Diese legendäre "Opernausgrabung" bildete am 25. Dezember 2000 in der Neuinszenierung des Intendanten Peter Grisebach, dirigiert vom neuen Generalmusikdirektor Stephan Tetzlaff, den festlichen Rahmen zur zweiten Wiedereröffnung des Stadttheaters Bremerhaven. Nach der Totalsanierung des Haupt- und Bühnenhauses, finanziell unterstützt durch die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer sowie die großzügigen Spenden von Bürgerinnen und Bürgern und Institutionen, ist dies ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Stadttheaters Bremerhaven.
 
Um die Sanierung endgültig abzuschließen, war noch die Renovierung des Kleinen Hauses von Nöten. Nach einer sechsmonatigen Schließungsphase im Sommer konnte am 13. Oktober 2006 die kleine Spielstätte des Stadttheaters mit Thomas Bernhards "Der Theatermacher" wieder in Betrieb genommen und damit die komplette Renovierung abgeschlossen werden.