Der Silbersee

Ein Wintermärchen von Kurt Weill
PREMIERE: 22. Mai 2010 / 19.30 Uhr / Großes Haus

"Der Silbersee", die dritte Zusammenarbeit von Kurt Weill mit dem expressionistischen Dramatiker Georg Kaiser, wurde 1933, zwei Wochen vor Weills Emigration in die USA, gleichzeitig an den Theatern von Leipzig, Erfurt und Magdeburg uraufgeführt und dann als "Entartete Kunst" verfemt.
Der Untertitel "Ein Wintermärchen" ist eine sarkastische Anspielung auf Heinrich Heine ("Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht."). Es ist eine bittere Geschichte um den Ladendieb Severin, der aus nackter Not ein Lebensmittelgeschäft überfällt, in dem die Lebensmittel vernichtet werden, um die Preise künstlich hochzuhalten, und den Polizisten Olim, der ihn zunächst anschießt, dann aber pflegt. Eine Geschichte um bittere Armut und plötzlichen Reichtum, um die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse, mit einem offenen Ende, das zumindest ein klein wenig Hoffnung lässt, auch wenn es alles andere als ein Happy End ist: Völlig verarmt, beschließen Olim und Severin, im Silbersee den Freitod zu suchen. Doch als sie zum See kommen, ist dieser - im Sommer! - zugefroren. Sie gehen auf das Eis und verschwinden in der Ferne; Chorstimmen begleiten sie mit den Worten: "Wer weiter muss, den trägt der Silbersee."
Mit dem "Silbersee" hat Weill ein sehr spezielles Stück geschrieben - eine Mischung aus harschem Realismus und romantischer Utopie, das Elemente des epischen Brecht-Theaters mit der Oper verknüpft; mit deutlichen Bezügen zur Situation in Deutschland um die Jahreswende 1932/33 und offenkundigen Parallelen zu Hitler, so in Fennimores Ballade von Cäsars Tod: "Der wollte mit dem Schwert regieren, und ein Messer hat ihn selbst gefällt."