Oper von Giuseppe Verdi / Dichtung von Francesco Maria Piave / Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Die Geschichte der schönen, schwindsüchtigen Kurtisane, die sich in einen Mann aus bürgerlichen Kreisen verliebt, ihren Luxus aufgibt und mit ihm zusammenlebt, schließlich um seinetwillen die gemeinsame Liebe opfert, ist eine jener Begebenheiten, die sich wirklich zugetragen haben. Frei von jeder Sentimentalität wird der vergebliche Ausbruchsversuch der Violetta Valéry aus einer Welt der käuflichen in die echte Liebe gezeigt. Doch wer wie sie die Normen der bürgerlichen Moral missachtet hat, für den gibt es auch keine Rückkehr mehr in das bürgerliche Leben. Violettas Glück muss darum kurzlebig bleiben wie ihr Blumensymbol - die nur für kurze Zeit blühende Kamelie.
Für «La traviata» griff Verdi auf Alexandre Dumas' erfolgreiches Schauspiel «Die Kameliendame» zurück, das das Leben der berühmten Pariser Edelkurtisane Marie Duplessis thematisiert. Einen derart aktuellen Stoff auf der Opernbühne zu zeigen, war für die damalige Zeit so skandalös, dass die Handlung bei der Uraufführung 1853 in Venedig gegen den massiven Widerstand des Komponisten aus der unmittelbaren Gegenwart in die Zeit um 1700 verlegt wurde. Dem Erfolg dieser Oper tat dies keinen Abbruch!
BESETZUNG
Musikalische Leitung: Stefan Veselka
Inszenierung: Kirsten Uttendorf
Ausstattung: Heiko Mönnich
Choreinstudierung: Ilia Bilenko
Dramaturgie: Juliane Piontek
Violetta Valery: Yitian Luan
Flora Bervoix: Ann Juliette Schindewolf
Annina: Pinelopi Argyropoulou
Alfredo Germont: Daniel Kim
Giorgio Germont: Walter Donati
Gastone: Thomas Scheler / Ziad Nehme
Barone Douphol: Werner Kraus
Marchese d'Obigny: Róbert Tóth
Dottore Grenvil: Andrey Telegin
Giuseppe: Dong-Sung Cho
Domestico di Flora: Giorgi Darbaidze
Commissionario: Daniel Dimitrov
Opernchor des Stadttheaters Bremerhaven
Mitglieder des Extrachors
Städtisches Orchester Bremerhaven
PRESSESTIMMEN
" Wer die auf Stadttheater-Bühnen selten gewordene hohe Gesangs-Kunst des Belcanto in Reinkultur erleben möchte, findet in Bremerhaven musikalische "Italianita" vom Feinsten, packende und berührende zweieinhalb Stunden große italienische Oper auf ganz großem musikalischen Atem. Ein stimmlich erlesenes, ideal miteinander harmonierendes Protagonisten-Trio Violetta.Alfredo-Germont, mitreißende Chhor-Szenen (Einstudierung Ilia Bilenko) und ein geradezu mozartisch transparentes, tänzerisch federndes, liedhaft begleitendes Städtisches Ochester unter Leitung Stefan Veselkas. (…) Die psychologisch geradlinige Regie Uttendorfs setzt auf die Kraft der Charaktere, der Musik, der Stimmen. Die sind makellos und bis in jede kleinere Rolle klasse besetzt. Alle und alles überstrahlend: Violetta. Mit Yitian Luan ist eine Traumbesetzung geglückt. Mit enormer physischer Präsenz, hochdramatischer Energie und absolut mühelosem, alle gemeingefährlichen Koloratur-Klippen virtuos und souverän meisternden, kupfern timbrierten Sopran reißt die 32-jährige Chinesin vom ersten Auftritt an vom Sitz. (…) Traumhaft die großen Duette Violetta-Alfredo: Daniel Kims edler, schmiegsamer wie auftrumpfender, parlando-leicht geführter Tenor verschmilzt vor allem im Mezzavoce ideal mit Luans perlenden Portamenti. Spielt Kim den Nturburschen, fasziniert Walter Donati als Alfreds Vater Germont mit der Grandezza eines authentisch gealterten "gentiluomo" (…)"
("Sternstunde des Belcanto"; NZ 27.12.11 Susanne Schwan)
"Für Regisseurin Kirsten Uttendorf die erste Opern-Inszenierung überhaupt! Für Sängerin Yitian Luan die erste große Solo-Rolle, für Kapellmeister Stefan Veselka der erste Auftritt am noch neuen Dirigentenpult. (…) Den drei "Neuen" gelang mit der berühmten Verdi-Oper ein Einstand nach Maß, das begeisterte Publikum erhob sich am Schluss von den Sitzen und dankte mit lang anhaltendem Applaus für den in jeder Hinsicht beeindruckenden Abend. (…) Unter Stefan Veselkas Leitung musizierte das Städtische Orchester zwischen Salon und Sterbebett so zupackend und anrührend, zugleich so fröhlich und gefühlvoll, dass es ein einziger Genuss war. Tiefe Tragik und ausgelassenes Treiben wechselten sich hier fließend ab, es wurde hoch konzentriert, präzise und dynamisch gearbeitet. Das gilt auch für Sopranistin Yitian Luan, die die schwierige Belcanto-Partie der Schwindsucht erkrankten Kamelien- und Lebe-Dame Violetta Valery mit Bravour bewältigte. Die immer wieder applaudierenden Zuschauer erlebten einen Auftritt, der nicht nur mit technisch perfektem und überaus nuancierten Gesang überzeugte, sondern eine ebenso starke schauspielerische Leistung bot - ein großartiges, sehr vielschichtiges Debüt der jungen Gastsängerin, die noch am Anfang ihrer Karriere steht. Großes Lob verdiente sich auch Tenor Daniel Kim als Alfredo Germont und Walter Donati als dessen Vater Giorgio (…) Dazu kamen Ann Juliette Schindewolf, Pinelopi Argyropoulou, Thomas Scherler, Werner Kraus und Andrey Telegin in den bestens besetzten Nebenrollen sowie der von Ilia Bilenko geleitete Opernchor, der ebenfalls nicht nur Sanges-, sondern auch Schauspielkunst unter Beweis stellte. Unter der klug auf das Wesentliche konzentrierten Regie von Kirsten Uttendorf sorgte das geballte Können von Orchester und Ensemble zweieinhalb Stunden lang für große Oper und starke Bilder. Auf der Spielfläche (Ausstattung: Heiko Mönnich) wurde der Kampf zwischen Luxus und Liebe, käuflichen und echten Emotionen zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle (…)"("Ein Kampf zwischen Luxus und Liebe"; SJ 01.01.12)