Der goldene Drache

Schauspiel von Roland Schimmelpfennig
 
In der engen Küche des China-Vietnam-Thai-Restaurants «Der goldene Drache» arbeiten fünf Asiaten. Ein junger Chinese hat fürchterliche Zahnschmerzen. Eine Aufenthaltsgenehmigung hat er nicht. Weiter oben im selben Haus wohnt ein junges Liebespaar, eine Etage tiefer verlässt eine Frau ihren Mann. Der Kioskbesitzer von nebenan betreibt ein lukratives Nebengeschäft. Und eine Stewardess findet in ihrer Thai-Suppe etwas, was dort nicht hinein gehört.
 
In seiner eigenwilligen Montagetechnik erzählt Roland Schimmelpfennig auf poetische, rätselhafte und berührende Weise von individuellen Schicksalen in einer globalisierten Welt. «Der goldene Drache» gewann 2010 den renommierten Mülheimer Dramatikerpreis.
 
BESETZUNG 
 
Inszenierung: Tim Egloff

Bühne: Janine Werthmann / Tim Egloff

Kostüme: Janine Werthmann

Dramaturgie: Sibille Hüholt

Regieassistenz: Karsten Wolter

 
Ein junger Mann: Sebastian Zumpe

Eine Frau: Kika Schmitz

Eine junge Frau: Mira Tscherne

Ein ziemlich junger Mann: Andreas Kerbs

Ein Mann: Kay Krause
 
 
PRESSESTIMMEN
 
"Roland Schimmelpfennig skizziert in "Der goldene Drache" das Los der im gleichnamigen Lokal arbeitenden Asiaten und entlarvt die vermeintlichen "Beziehungssicherheiten" der Hausbewohner über dem Lokal. Auch die Biederkeit des Benachbarten Kioskinhabers entpuppt sich als Selbstbetrug. Liebe verwandelt sich in Eifersucht, Lieblosigkeit führt zu Trennung, Die Sucht nach Befriedigung endet in Brutalität. […]
Tim Egloff und Janine Werthmann setzen in ihrer Inszenierung mit überzeugender Konsequenz auf die spielerischen Möglichkeiten, die der Text anbietet: Männer übernehmen Frauenrollen und umgekehrt. Das fünfköpfige Ensemble muss 15 Figuren plus eines Schneemanns beleben. Die parallel ablaufenden Szenen erfordern schnellste Wechsel. Ein zunächst verblüffender Effekt: Regieanweisungen werden von den Darstellern gesprochen und sogleich umgesetzt.
Mit eindrucksvoller Präzision bewältigen Kika Schmitz und Mira Tscherne, Andreas Kerbs, Kay Krause und Sebastian Zumpe das hohe Tempo der Verwandlungen, die raschen Veränderungen von Haltung und Stimmung, den Austausch der Requisiten.
Hier wird so intensiv mit Theater zwischen Komödie und Tragödie, zwischen Burleske und Lehrstück jongliert, dass Zuschauern das Zeitgefühl abhanden kommt.
Egloff und Werthmann haben das Elend aller Handelnden so geschickt mit glänzender Folie überzogen, dass der Schrecken darunter erst im Nachhinein spürbar wird. Dem ersten Lachen folgt die Selbstreflexion. Darum: Noch mal reingehen, in den "Goldenen Drachen"."
(NZ 17.10.2011)
 
"Großes Theater im Kleinen Haus! Roland Schimmelpfennigs mit so viel individuellem Elend beladendes Stück "Der goldene Drache" erlebte eine hinreißende, mit viel verdientem Beifall bedachte Premiere. Erschrecken und lachen in teils abruptem Wechsel: Was auf den ersten Blick ein kaum zu ertragender Gegensatz zu sein scheint, fügt die Inszenierung von Tim Egloff und Janine Werthmann (Bühne und Kostüm) auf verblüffende Weise ineinander. Kritisches, politisches Theater kann komisch und tragisch zugleich sein, kann unterhalten und belehren und zum Nachdenken zwingen. Keine neue Erkenntnis, aber hier fast eineinhalb Stunden hervorragend umgesetzt. […]
Die Geschichtenvielfalt von 15 Rollen auf engstem Raum is so kurzer Zeit erfordert hohes Tempo und volle Konzentration.
Wie Kika Schmitz und Mira Tscherne, Andreas Kerbs, Kay Krause und Sebastian Zumpe diese Aufgabe bewältigen, ist faszinierend. Die Verfremdungen auf der Bühne wirken beim sensiblen Zuschauer nach: dem Beifall folgt Betroffenheit."
(SJ 23.10.2011)