Schauspiel von Wajdi Mouawad
"Es gibt Wahrheiten, die man selber entdecken muss." Nawal hinterlässt ein rätselhaftes Testament, in dem sie bestimmt, dass ihre Kinder zwei Briefe überbringen sollen: Jeanne an den totgeglaubten Vater, ihr Zwillingsbruder Simon an einen Bruder, von dessen Existenz sie nichts wussten. Widerstrebend reisen beide in den Libanon, das von Bürgerkriegen zerrissene Heimatland ihrer Mutter, und suchen nach den Spuren ihrer Herkunft. Sie entdecken die Geschichte einer großen, verlorenen Liebe. Je tiefer sie jedoch graben, desto furchtbarere Geheimnisse offenbaren sich. Ihr Leben ändert sich radikal, als sie mit einer unglaublichen Wahrheit konfrontiert werden. Was wie ein Krimi beginnt, wird zu einer Tragödie von antikem Ausmaß.
BESETZUNG
Inszenierung: Tobias Rott
Ausstattung / Video: Eva Humburg
Dramaturgie: Natalie Driemeyer
Regieassistenz: Kirsten Söhl
Inspizienz: Dayen Tuskan
Soufflage: Astrid Bauer
Nawal: Kika Schmitz
Jeanne: Mira Tscherne
Simon: Sebastian Zumpe
Nihad: Martin Bringmann
Hermile Lebel, Jihane,
Fremdenführer, Arzt, Soldat 2: Andreas Möckel
Sawda, Elhame, Chamseddine: Meret Mundwiler
Nazira, Abdessamad, Malak: Isabel Zeumer
Ralph, Wahab, Antoine,
Soldat 1, Hausmeister, Ein Mann: Walter Schmuck
PRESSESTIMMEN
"Wajdi Mouawad, der im Libanon geborene kanadische Dramatiker, erzählt in dem beklemmenden Stück "Verbrennungen" vom Krieg, der sich in das geordnete Leben von Menschen hineindrängt, die weit weg vom blutigen Geschehen aufwachsen und die fernen Schrecken in ihrem Alltag noch nicht einmal als Echo wahrnehmen. (…)
Regisseur Tobias Rott (…) jongliert meisterhaft mit den technischen Möglichkeiten, die Podien fungieren wie Zeit-Achsen. Sie surren im Wechsel der Schauplätze geschmeidig auf und ab. So verwandeln sich die zunächst verwirrend vielen Handlungsstränge in eine in sich schlüssige Geschichte, die mit harten Filmischen Schnitten arbeitet und deren strenge Choreografie auf bloße Effekthascherei verzichtet. (…)
Die Konfrontation mit den Gespenstern aus der Vergangenheit geht auch dem Publikum an die Nieren. Das liegt zum einen an dem bis in die Nebenrollen sehr konzentriert aufspielenden Ensemble als auch an den hochemotionalen Bilder, die Regisseur Rott immer wieder findet. Wenn die Geschwister schließlich splitterfasernackt auf der Bühne stehen, stockt einem der Atem. Treffender hätte man diesen Seelenstriptease nicht veranschaulichen können. Nun wissen die Zwillinge mehr, als sie ertragen können. (…) Die fernen Schrecken sind auf einmal nah herangerückt." (NZ 13.02.2012; Anne Stürzer)