HAMLETANSTALT- Ein Luxusoratorium Foto 1

"'Mit dem Fahrradhelm durch's Treppenhaus, so sieht moderne Freizeitgestaltung aus', skandierte die Gruppe zum Auftakt und führte die Besucher erst einmal vor das Theater, wo feste gesungen, getanzt und deklamiert wurde. Drinnen ging es von Musik und Videos begleitet munter weiter, erinnerten die Szenen mal an das Abendmahl, dann wieder an eine durchgeknallte Anstalt. Es wurde in Erinnerungen gekramt, nicht mit Anspielungen und Seitenhieben gespart, dick aufgetragen und abgeräumt. Die Grenzen zwischen Gesunden und Kranken verwischten, die Zuschauer wurden einbezogen, die verblüffende Happening-Atmosphäre des Alzheimer-Aufklärungs-Musical kam an. 'Heidewitzka, Herr Kapitän!' Nach anderthalb Stunden war allerdings Schluss mit lustig. Zum Video einer hustenden alten Frau wurde das Sterben geprobt, später extrahierte ein Nazi-Wissenschaftler das 'Arier-Areal' aus dem Gehirn eines Opfers. [...] Selbst die finale Vorstellung der Akteure zog sich endlos hin. Wer hier allerdings vorschnell einen Fehler im Konzept vermutet, sollte vielleicht noch einmal innehalten. Schließlich erzählt die 'Hamletanstalt' vom Alter, und das hat nicht nur seine witzigen Momente. Manchmal ist es hässlich, oft sogar eine nervige Überforderung. Wenn Ender/Kolosko das an diesem Abend aufzeigen wollten, ist es ihnen auf ganz eigene Art gelungen. (Ulrich Müller, Nordsee-Zeitung, 5. Mai 2014)