Pressestimmen

«Als Bühnenbild genügt ihm [Andrzej Woron] ein Birkenwäldchen, das völlig ausreichend Assoziationen an Russland erzeugt: Kahle Stämme hängen vom Bühnenhimmel herab. Es ist ein stimmungsvolles Bild. Später beim Duell von Lenski und Onegin liegen die Birken entwurzelt auf der in tristen Nebel gehüllten Bühne, im Schlussakt sind sie von protzigen Säulen verdrängt. Woron konzentriert sich ganz auf die Charakterisierung und die Seelenzustände der Figuren. Sehr genau zeichnet er die ungleichen Schwestern Tatjana und Olga. […] Inga-Britt Andersson fesselt als Tatjana […]. Auch Filippo Bettoschi machte in der Titelpartie einen hervorragenden Eindruck. […] Die Leistungen von [Marc] Niemann und dem [Philharmonischen] Orchester bewegten sich auf ganz hohem Niveau. Das gilt auch für den von Jens Olaf Buhrow einstudierten Chor.»
(Nordsee-Zeitung, Wolfgang Denker, 25.04.2016)

"Die Bremerhavener Neuinszenierung […] entfaltet ihre starken Wirkungen – zumal der Regisseur und Ausstatter Andrzej Woron heißt. Und die lyrischen Szenen sind in der Lesart von Marc Niemann und dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven auch oft dramatische Szenen, die mit ungeheurer Spannung aufgeladen sind. Die Leistungen von Niemann und dem Orchester bewegen sich auf ganz hohem Niveau. […] Woron gelingt es, einen durchgängigen Spannungsbogen zu halten. Seine Personenführung ist in jeder Nuance ausgefeilt und immer sinnvoll.  […] Inga-Britt Andersson fesselt als Tatjana vom ersten Moment an. Die Gefühlswelten der Figur kann sie mit klarem, sicherem Sopran seismografisch nachzeichnen. Die Briefszene gerät zu einem sängerischen und darstellerischen Höhepunkt der Aufführung. Auch Filippo Bettoschi macht in der Titelpartie einen hervorragenden Eindruck. Mit virilem Bariton kann er seine verzweifelte Leidenschaft im letzten Akt verdeutlichen. […] Tobias Haaks führt seinen Tenor in der eigentlich lyrischen Partie des Lenski mit expressiver, dann wieder sensibler Stimmführung in Spinto-Bereiche. Bei Caroline Löffler wird die Olga dank ihrer Bühnenpräsenz mit zu einer Hauptpartie. Thomas Burger setzt die regiebedingt etwas überzeichnete Szene des Triquet gekonnt um."
(Weser Kurier, Wolfgang Denker, 25.04.2016)

"Und wirkungsvoll kommt die große Schlussszene, deren Verzicht durch Tatjana ja so unterschiedlich gedeutet werden kann: es kann Reife sein, es kann aber auch Trotz, falsche Anpassung und Angst vor den eigenen Gefühlen sein. Bei Woron ist es letzteres und zurück bleibt etwas, was präzise hinter die Kulissen dieser Gefühle schaut: Liebe ist nur als Einsamkeit möglich. Das unterstützt die musikalische Interpretation durch Marc Niemann, der die Musik in greller Buntheit geradezu vorwärts peitscht und gleichzeitig berückende Innentöne findet. Letztendlich eine handwerklich gekonnte Aufführung, die viel Raum für eigenes Denken und eigene Gefühle lässt."
(Neue Musikzeitung, Ute Schalz-Laurenze, 25.04.2016)

"Musikalisch ragten vor allem die vier Liebenden heraus: Carolin Löffler als leichtfüßiger Springinsfeld Olga, Tobias Haaks als rechtschaffener Lenski, aber vor allem das fatal verhinderte Pärchen Eugen und Tatjana findet mit Filippo Betoschi und Inga-Britt Andersson eine bestechende Besetzung. Beide waren zuletzt an gleicher Stelle eine ähnlich explosive Paarung: im „Wozzeck“ von Manfred Gurlitt. Ein stimmlich wie darstellerisch eindrucksvolles Quartett. Auch in den übrigen Partien sind saubere Leistungen zu notieren: Karin Robben als Gutsbesitzerin Larina, Alexandra Kloose als Kinderfrau, Daniel Dimitrov als Sekundant sowie Milcho Borovinov, der für Leo Yeun-Ku Chu als Gremin eingesprungen war, bewältigten ihre Partien solide bis tadellos. […] Szenisch gut eingebunden in diesen Abend sind auch drei Tänzer aus Sergei Vanaevs Ballettcompagnie, die unter anderem als archaische Waldgeister durch die ersten Akte wirbeln. Ein durchaus sehenswerter Abend." (Kreiszeitung, Rolf Stein, 26.04.2016)